ROCHUS AUST
BEYOND DIGITAL TROLLING

Dass sich der analoge Plattenspieler eine USB-Schnittstelle zulegen würde, und dass sich mp3-files über Digital Vinyl Systeme von hippen DJs zum „auflegen“ missbrauchen ließen, als wäre das Scratchen gerade erst erfunden worden, das hätte sich das Digitale Zeitalter kaum träumen lassen.
Auch nicht, dass die Digitalisierung von Haustieren dermaßen viele Datenspeicher füllen würde.
Und schon gar nicht nicht, dass erst ein profanes Stück ausziehbares Blech, der analoge Selfie-Stick, den digital-sozialen Menschen in seiner Vollendung erschaffen hätte.
Stell Dir vor, es ist Digitale Revolution und alle gehen hin?!

Das 1. DEUTSCHE STROMORCHESTER sieht sich da als Vermittler zwischen denen, die elektrischen Strom noch mystisch in Kilowatt begreifen und denen, die längst rufen „Wir sind die cloud!“ Als Mittler zwischen morgen und übermorgen, zwischen 4.0 und #.X, zwischen der Zeit als noch kommuniziert wurde und der Epoche, in der wir wieder miteinander sprechen werden. Dabei gilt es, das digitale Glazial, diese wunderbare Zwischenzeit auf dem Wechsel von rundlichem zu eckigem Nicht-Wissen, in seiner schroffen Poesie zu erfassen, abzubilden und zu gestalten.

DIGITAL TROLLING
Im ersten Teil der Aufführung des 1. DEUTSCHEN STROMORCHESTERS werden aus projizierten visuellen Objektsequenzen (Youtube-Filmchen/Stummfilmdoku/Videokunst/Fernsehfeature) über ein Bild-erkennungsverfahren Gegenstände, Körperhaftes und Abstraktes live identifiziert, separiert und quasi „herausgeangelt“ (trolling) – jedem bekannt durch einen rechteckigen (Licht-)Rahmen, der das Objekt fokussiert. Das analoge zweidimensionale Objekt wird an den Rand der Projektion gezogen und dort von einem CAD-Programm sichtbar zu einem 3D-Objekt umgerechnet. Anschließend werden die digitalen Daten an einen oder mehrere 3D-Drucker verschickt, die sofort beginnen, das Objekt zu erstellen.
Die elektrischen Geräte, die zur Erschaffung von Rohmaterial (Plastikhäcksler) und Filament (Materialfaden zum Einsatz im 3D-Drucker) benötigt werden, sowie die 3D-Drucker selbst werden Teil des Stromorchesters und seiner Maschinenakustik, sodass der gesamte Produktionsprozess integrierter Teil der musikalischen Aufführung ist.

BEYOND
Im zweiten Teil werden die entstandenen 3D-Objekte als Trägermaterial für ein live-recording Verfahren genutzt, bei dem unterschiedliche Rillen in die Objekte geschnitten werden. Die Rille im 3D-Objekt enthält als 4. Dimension den digitalen Klang, der bei der Entstehung des Objekts erzeugt wurde und der nun wieder mit analogen Schallplattenspielern vom STROMORCHESTER hörbar gemacht wird.
Der gesamte Schaffensprozess, der sich in ständiger homogener Bewegung befindet, wird parallel über Videokameras aufgezeichnet und in den Raum projiziert.

Während das Publikum im ersten Teil dem Geschehen vom Platz aus zuschaut und -hört, kann es im zweiten Teil die installativen Aufbauten begehen, an den Produktionsprozessen der digitalen Maschinen-halle teilhaben und sich in die nächste Dimension begeben.